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Kondenswasser und Schimmel am Fenster: die Ursachen

Warum sich Wasser am Fenster niederschlägt, warum das Problem nach einem Fenstertausch oft an die Wand wandert und was wirklich hilft.

Von Rainer Krauß, RK Bauelemente Wolfratshausen · Stand 02.09.2026

Kondenswasser entsteht, wenn warme Raumluft auf eine kalte Oberfläche trifft. Bei alten Fenstern ist das die Scheibe, bei neuen ist die Scheibe warm genug, und die kälteste Stelle wird die Wand, die Fensterlaibung oder der Rollladenkasten. Deshalb verschwindet mit neuen Fenstern das Wasser am Glas, und es erscheint stattdessen Schimmel in der Ecke. Die Ursache ist nicht das Fenster, sondern zu viel Feuchtigkeit bei zu wenig Luftwechsel.

Wie es physikalisch zusammenhängt

Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen als kalte. Kühlt sie ab, gibt sie das überschüssige Wasser wieder ab, und zwar an der Stelle, an der sie abkühlt. Diese Grenze heißt Taupunkt. In einer Wohnung ist der Ort dafür immer die kälteste Oberfläche im Raum.

In einem Haushalt entstehen jeden Tag mehrere Liter Wasser: durch Kochen, Duschen, Wäschetrocknen, Pflanzen und schlicht durch Atmen. Diese Menge muss irgendwo hin. Entweder sie wird hinausgelüftet, oder sie schlägt sich nieder.

Warum das Problem nach dem Fenstertausch wandert

Das ist der Punkt, den ich beim Aufmaß immer anspreche, weil er sonst hinterher für Ärger sorgt.

Ein altes Fenster hatte zwei Eigenschaften: es war kalt, und es war undicht. Kalt hieß, dass sich die Feuchtigkeit dort niederschlug, sichtbar als Wasser auf der Scheibe und in der Fensterbank. Unangenehm, aber es war sichtbar und ließ sich abwischen. Undicht hieß, dass ständig ein wenig gelüftet wurde, ohne dass jemand etwas tun musste.

Beides fällt mit dem neuen Fenster weg. Die Scheibe ist jetzt warm, dort schlägt sich nichts mehr nieder. Und die unfreiwillige Lüftung ist beendet. Die Feuchtigkeit ist aber immer noch da, in derselben Menge. Sie sucht sich also die neue kälteste Stelle, und das ist eine Wärmebrücke: die Fensterlaibung, der Rollladenkasten, die Außenecke, die Wand hinter dem Schrank. Dort ist es dunkel, es wird nicht abgewischt, und deshalb wächst dort Schimmel statt Wasser zu stehen.

Der entscheidende SatzNeue Fenster verursachen keinen Schimmel. Sie decken auf, dass die Feuchtigkeit im Raum nie abgeführt wurde, und verlagern die Stelle, an der sich das zeigt.

Was tatsächlich hilft

Richtig lüften

Der wirksamste und billigste Hebel. Mehrmals täglich fünf bis zehn Minuten weit öffnen, am besten quer durch die Wohnung mit gegenüberliegenden Fenstern. In dieser Zeit wird die feuchte Luft komplett ausgetauscht, während Wände und Möbel ihre Wärme behalten und den Raum sofort wieder aufheizen.

Ein dauerhaft gekipptes Fenster ist das Gegenteil davon: es tauscht wenig Luft aus, kühlt dafür aber die Laibung ringsum aus und schafft damit erst recht eine kalte Stelle. Im Winter ist Dauerkipp die schlechteste aller Möglichkeiten.

Nach dem Duschen und Kochen sofort lüften

Der größte Teil der Feuchtigkeit entsteht in wenigen Minuten. Wenn sie direkt hinausgeht, verteilt sie sich gar nicht erst in der Wohnung. Türen zu feuchten Räumen dabei geschlossen halten.

Möbel von Außenwänden abrücken

Ein paar Zentimeter genügen, damit Luft hinter dem Schrank zirkulieren kann. Hinter einem dicht an der Außenwand stehenden Kleiderschrank ist es deutlich kälter als im Raum.

Gleichmäßig heizen

Ein selten beheiztes Schlafzimmer, in das die feuchte Luft aus dem Rest der Wohnung zieht, ist ein klassischer Schimmelfall. Räume ganz auskühlen zu lassen und die Tür offen zu halten, ist die ungünstigste Kombination.

Wärmebrücken beseitigen

Wo baulich etwas verbessert werden kann, wird das Problem an der Wurzel gelöst. Der häufigste Fall ist der ungedämmte Rollladenkasten, dazu kommen ungedämmte Laibungen und Heizkörpernischen.

Wann es kein Lüftungsproblem ist

Nicht jede feuchte Stelle kommt aus der Raumluft. Hellhörig werden sollte man, wenn:

  • die Feuchtigkeit auch im Sommer da ist
  • ein einzelner Fleck deutlich nass ist, während der Rest trocken bleibt
  • der Fleck von unten aufsteigt statt oben in der Ecke zu sitzen
  • er nach Starkregen auftritt oder zunimmt

Dann liegt eher ein baulicher Schaden vor: ein undichter Anschluss, ein Riss in der Fassade, ein Leck oder aufsteigende Feuchte. Das ist kein Fensterthema, und es hilft nicht, mehr zu lüften.

Wenn schon Schimmel da ist

Kleine, oberflächliche Stellen lassen sich entfernen. Wichtiger als das Wegwischen ist aber, die Ursache abzustellen, sonst kommt er an derselben Stelle wieder. Bei größeren Flächen, bei wiederkehrendem Befall und immer dann, wenn im Haushalt jemand mit Atemwegsbeschwerden oder geschwächtem Immunsystem lebt, gehört das in fachliche Hände und nicht auf die eigene Leiter.

Häufige Fragen

Dazu werde ich oft gefragt

Ich habe seit den neuen Fenstern Schimmel. Sind die Fenster schuld?

Die Fenster sind nicht die Ursache, aber sie haben die Lage verändert. Vorher hat das undichte alte Fenster ständig mitgelüftet und die Feuchtigkeit sichtbar an der kalten Scheibe abgefangen. Beides fällt jetzt weg. Mit angepasstem Lüftungsverhalten ist das Problem in aller Regel in den Griff zu bekommen, dazu kommt oft eine Wärmebrücke, die sich beseitigen lässt.

Wie oft muss ich lüften?

Als Richtwert drei- bis viermal am Tag für fünf bis zehn Minuten, dazu jedes Mal nach dem Duschen und Kochen. In stark genutzten Räumen und im Winter eher öfter. Kurz und kräftig ist immer besser als lang und gekippt.

Hilft ein Luftentfeuchter?

Als Übergangslösung bei einem konkreten Problem ja, etwa nach einem Wasserschaden. Dauerhaft ist er teuer im Betrieb und behandelt nur die Folge. Lüften und, wo möglich, die kalte Stelle beseitigen sind die bessere Antwort.

Wasser läuft zwischen den Scheiben. Ist das auch Kondenswasser?

Nein, und das ist ein wichtiger Unterschied. Feuchtigkeit oder ein grauer Schleier im Scheibenzwischenraum bedeutet, dass der Randverbund undicht ist. Die Isolierwirkung ist damit dahin, die Scheibe muss ersetzt werden. Das ist eine Reparaturverglasung und kein Lüftungsthema.

Fragen? Ich berate Sie kostenlos und unverbindlich.

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