Die Widerstandsklasse sagt, wie lange ein Fenster oder eine Tür einem Einbruchsversuch mit bestimmten Werkzeugen standhält. RC2 bedeutet drei Minuten gegen einfaches Werkzeug wie Schraubendreher und Keil, RC3 fünf Minuten und zusätzlich gegen ein Brecheisen. Für ein normales Einfamilienhaus ist RC2 die sinnvolle Grundausstattung, weil die allermeisten Täter nach wenigen Minuten aufgeben.
Was genau geprüft wird
Die Widerstandsklassen sind in der Norm DIN EN 1627 festgelegt. Geprüft wird nicht der Beschlag allein und nicht das Glas allein, sondern das komplette Element: Rahmen, Flügel, Beschlag, Verglasung und Verriegelung zusammen. Ein Prüfer versucht mit einem festgelegten Werkzeugsatz, es zu öffnen, und die Zeit läuft mit.
- RC1 N hält gegen körperliche Gewalt wie Treten und Schulterstöße, hat aber keine Zeitvorgabe gegen Werkzeug. Für erreichbare Öffnungen zu wenig.
- RC2 hält drei Minuten gegen einfache Werkzeuge: Schraubendreher, Zange, Keil. Das ist die Ausstattung, mit der Gelegenheitstäter arbeiten.
- RC3 hält fünf Minuten, zusätzlich gegen ein Brecheisen. Das ist die Stufe für exponierte Lagen.
- RC4 bis RC6 gehen bis zwanzig Minuten und Elektrowerkzeug. Das ist Gewerbe- und Objektschutz, im Wohnhaus praktisch nie nötig.
Daneben gibt es RC2 N. Das ist RC2 ohne die Anforderung an eine einbruchhemmende Verglasung. Preislich attraktiv, aber die Scheibe ist dann die schwache Stelle. Sinnvoll höchstens dort, wo an das Glas ohnehin niemand herankommt.
Warum drei Minuten der entscheidende Wert sind
Die Zahl wirkt erst einmal klein. Sie ist trotzdem der wirksamste Hebel, den es gibt, und das hat mit dem Ablauf eines Einbruchs zu tun. Der weitaus größte Teil der Einbrüche in Wohnhäuser wird nicht geplant, sondern gelegentlich begangen: jemand geht ein Grundstück ab, sucht die einfachste Öffnung und hebelt an. Geht es nicht schnell, entsteht Lärm und Zeitdruck, und dann wird abgebrochen.
Genau darauf zielt RC2. Es geht nicht darum, ein Haus uneinnehmbar zu machen, das gelingt ohnehin nicht. Es geht darum, den Aufwand über die Schwelle zu heben, ab der aufgegeben wird.
Der häufigste Fehler: nur die Haustür aufrüsten
Die Haustür ist das sichtbarste Bauteil und deshalb das, an das zuerst gedacht wird. Nur wird über die Haustür vergleichsweise selten eingebrochen. Eingestiegen wird über das, was leicht erreichbar und schlecht einsehbar ist: die Terrassentür, das gekippte Bad- oder Kellerfenster, die Balkontür im ersten Stock über dem Vordach.
Eine RC2-Haustür neben einer alten Terrassentür verbessert die Lage kaum. Der Einbruchschutz eines Hauses ist immer so gut wie seine schwächste erreichbare Öffnung. Wenn das Budget nicht für alles reicht, ist es sinnvoller, das gesamte Erdgeschoss auf ein solides Niveau zu bringen, als ein einzelnes Bauteil auf ein hohes.
Nicht vergessenAuch ein RC2-Fenster ist im gekippten Zustand offen im Sinne der Norm. Kippstellung ist Lüftung, kein Zustand, in dem man das Haus verlässt.
Was zur Klasse dazugehört, damit sie gilt
Eine geprüfte Widerstandsklasse gilt nur für das Element, wie es geprüft wurde, und nur, wenn es nach Vorgabe des Herstellers befestigt ist. Das ist kein Formalismus. Ein RC2-Fenster, das mit zu wenigen oder falsch gesetzten Befestigungspunkten im Mauerwerk sitzt, lässt sich mitsamt Rahmen herausdrücken, und die drei Minuten sind hinfällig.
Zum geprüften Aufbau gehören üblicherweise:
- Pilzkopfverriegelungen ringsum statt einfacher Rollzapfen
- ein abschließbarer Griff, bei Fenstern mit definierter Widerstandskraft
- einbruchhemmende Verglasung, bei RC2 üblicherweise Verbundsicherheitsglas der Klasse P4A
- ein verstärkter Rahmen und eine Befestigung nach Montageanleitung
Deshalb ist Nachrüsten nur begrenzt möglich. Abschließbare Griffe und zusätzliche Verriegelungen sind besser als nichts und durchaus sinnvoll. Eine geprüfte RC2-Einstufung erreicht man damit aber nicht, die gibt es nur für das komplette Element.
Förderung
Für Maßnahmen zum Einbruchschutz gibt es Zuschüsse, und für die energetische Sanierung ebenfalls. Die Programme, die Sätze und die Bedingungen ändern sich allerdings regelmäßig, deshalb steht hier bewusst keine Zahl. Was zum Zeitpunkt Ihrer Anfrage gilt, sehe ich mir im Beratungsgespräch an. Wichtig zu wissen ist nur eines: der Antrag muss in der Regel vor der Beauftragung gestellt sein. Wer erst bestellt und dann fragt, hat den Anspruch meist verloren.
Dazu werde ich oft gefragt
Reicht RC2 für ein Einfamilienhaus?
Für die allermeisten Häuser ja. RC2 an allen erreichbaren Öffnungen im Erdgeschoss ist deutlich wirksamer als RC3 an einer einzelnen Tür. RC3 lohnt sich, wenn das Haus schlecht einsehbar ist, freistehend am Ortsrand liegt oder regelmäßig länger leersteht.
Kann ich meine vorhandenen Fenster auf RC2 nachrüsten?
Nicht auf eine geprüfte Klasse. Was geht, sind abschließbare Griffe, Pilzkopfzapfen bei geeigneten Beschlägen und zusätzliche Riegel. Das erhöht den Aufwand für einen Täter spürbar, ist aber keine Zertifizierung. Ob es sich bei Ihren Fenstern lohnt, hängt vom verbauten Beschlagsystem ab, das sehe ich vor Ort.
Was bringt einbruchhemmendes Glas?
Verbundsicherheitsglas hat eine zähe Folie zwischen den Scheiben. Es zerspringt nicht, sondern hält zusammen, auch wenn es bricht. Ein Durchstieg braucht dadurch viele Schläge und viel Lärm. Bei RC2 gehört P4A-Glas zum geprüften Aufbau.
Macht ein Rollladen mein Fenster sicherer?
Ein normaler Rollladen ist kein Einbruchschutz, er lässt sich hochschieben. Mit einer Hochschiebesicherung und einem stabilen Panzer wird er zu einer echten zusätzlichen Hürde, vor allem weil er die Sicht auf das Fenster nimmt. Als alleinige Maßnahme reicht er nicht.
Foto schicken statt beschreiben.
Schicken Sie mir einfach ein Bild von Ihrem Fenster, der Tür oder dem Rollladen per WhatsApp. Meist sehe ich daran schon, worum es geht — und Sie sparen sich die Erklärung.